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Malteser Krankenhaus zur Heiligen Familie in Bethlehem

"Du hast alles getan, aber das Baby stirbt trotzdem..."

Interview mit Dr. Salim Kuncar, Chefarzt der Neugeborenen-Intensivstation des Malteser Krankenhauses zur Heiligen Familie in Bethlehem. 1957 kam er selbst im Holy Family Hospital in Bethlehem zur Welt. Dr. Salim studierte in Russland und arbeitete später als Kinderarzt in Montpellier in Frankreich. Er ist mit einer französischen Frau verheiratet und hat eine fünfjährige Tochter. Zurückgekommen nach Bethlehem ist er, als sein Vater gestorben ist. 

Was ist das größte Problem bei Ihrer Arbeit auf der Neugeborenen-Intensivstation? 
Unsere medizinischen Geräte hier reichen nicht aus für die hohe Anzahl an Geburten. Uns fehlen zum Beispiel Brutkästen, Monitore und Beatmungsgeräte. Die Belegung der Neugeborenen-Intensivstation liegt fast immer über 100 Prozent. Von Zeit zu Zeit müssen wir tatsächlich auswählen, welches Baby unbedingt an eine Maschine angeschlossen werden muss und bei welchem Baby eine intensive Überwachung ausreichen muss.

Ich muss immer mit der Ungewissheit leben: Alle Bettchen sind belegt, aber jederzeit kann ein anderes Baby eingeliefert werden. Es ist ja nicht so, dass wir im Vorfeld immer darauf einstellen können, dass ein Baby eingeliefert wird: Nicht nur nach einem geplanten Kaiserschnitt, sondern auch nach einer normalen Geburt können die Babys Probleme bekommen. Außerdem werden auch Geburten aus anderen Kliniken eingeliefert, wenn die Kinder zu klein oder krank sind. Denn nur hier bei uns können sie intensivmedizinisch behandelt werden.

Meine Kollegin, mit der ich gemeinsam die Intensivstation leite, und ich arbeiten insgesamt unter schwierigen Bedingungen. Von uns beiden muss also immer jemand da sein - zumindest in Bereitschaft. Das heißt, wir beide arbeiten immer sechs Tage, bevor wir einen Tag frei haben. Urlaub ist kaum möglich, denn wenn einer von uns zwei Wochen frei nimmt, muss der andere zwei Wochen durch arbeiten. 
 
Was sind die schwersten Momente in Ihrer Arbeit? 
Ich bin sehr frustriert, wenn ein Baby in der Neugeborenen-Intensivstation stirbt. Du weißt, dass du alles getan hast, aber trotzdem ist das Baby einfach gestorben. Das ist ein Moment, in dem ich am liebsten mit niemandem sprechen und mich zurückziehen möchte. Aber das ist nicht möglich. Ich muss mit den Mitarbeitern und vor allem mit den Eltern sprechen. Oft fällt mir das sehr schwer.

Manchmal bringen wir den Eltern die schlimme Nachricht scheibchenweise bei. Wenn das Baby am Abend verstirbt und die Eltern außerhalb von Bethlehem wohnen, rufen wir oft erst an und sagen, dass es dem Kind schlechter geht und dass sie morgen vorbei kommen müssen. Vielen Eltern ist es einfach nicht möglich, dass sie nachts noch nach Bethlehem kommen können. An den Checkpoints werden sie nicht durchgelassen. So wäre es für die Eltern nur noch schlimmer, bereits abends zu wissen, dass ihr Kind tot ist, aber sie nicht kommen können. Durch unseren Anruf sind sie auf der anderen Seite aber bereits auf eine schlimme Nachricht vorbereitet. 

Wie reagieren die Eltern bei Ihnen auf die schlimme Nachricht?         
Das ist bei uns nicht anders als in den westlichen Ländern. Es ist keine Frage der Kultur, wie man mit dem Tod seines Kindes umgeht, sondern eine Frage der eigenen Mentalität. Die Mütter leiden meiner Erfahrung nach am meisten. Kinder sind hier in Palästina das höchste Gut. Die Eltern sind sehr stolz und glücklich über ihren Nachwuchs - auch wenn sie kein Geld haben.
 
Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit im Malteser Krankenhaus? 
Das Betriebsklima bei uns ist wirklich sehr gut. Wir arbeiten wie in einer großen Familie. Außerdem freue ich mich, wenn ein Baby, das ich lange auf der Intensivstation behandelt habe, von den Eltern nach Hause geholt wird. Ich bin glücklich, wenn ich sehe, dass die Eltern glücklich sind.
 
Bestehen Unterschiede zwischen der medizinischen Versorgung der Frühchen in Frankreich und im Malteser Krankenhaus zur Heiligen Familie?     
Die technische Ausstattung unserer Neugeborenen-Intensivstation in Bethlehem ist nahezu genau so gut wie in Frankreich. Wir haben hier moderne Geräte und sehr gut ausgebildetes Fachpersonal. Die Weiterbehandlung der Frühchen nach dem Krankenhausaufenthalt ist allerdings nicht so gut wie in den westlichen Ländern. Die Frühchen brauchen eine spezielle ärztliche Behandlung und müssen besonders gefördert werden.

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